Visajavara is doing it again …

Die „Wischi-Waschis“ wie ich sie respekt- und liebevoll nenne werden vom traditionellen Piercing und BodyMod Studio wohl immer mehr zur Event-Agentur 😉 … nachdem die ja schon ihr eigenes 10-Jahres Jubiläum mit nem Feuerwerk an genialen Events gefeiert haben, hauen die jetzt noch einen raus für Lukas!

Mehr Infos: visavajara.com

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Phuket Vegetarian Festival

Das Thema Phuket Vegetarian Festival habe ich zwei mal redaktionell bearbeitet (Blogs mal aussen vor) – das erste mal Mitte 2004 nachdem ich ganz fasziniert eine ganze Reihe von Bildern dazu eingescannt hatte. Die Bilder hatte ich für John (Wildcat England) gescannt, der einige male dort war und reichlich Bildmaterial mitgebracht hatte! Das zweite mal (ebenfalls für das Expand) beschäftigte mich das Vegetarian festival als ich einen Artikel – bzw. Reisebericht – von Olli (Visajavara Nürnberg) für das EXPAND Magazin überarbeiten durfte (von 10.000 auf 15.000 Zeichen – halt einige Fakten ergänzt und ein wenig ausfomuliert).

Hier nun beide Artikel zu dem Thema mit dem Dank an John und Olli für ihre Unterstützung und besonders an Olli für die tollen Bilder:

Phuket Vegetarian Festival

EXPAND Magazin #1 2004 – von Stephan Strestik

Jedes Jahr im 8. Mondmonats des chinesischen Kalenders bietet sich dem Besucher der kleinen Insel Phuket (Thailand) ein mindestens so seltsames wie interessantes Schauspiel – eine „Parade der Fakire“ will man auf den ersten Blick meinen.

In nicht enden wollenden Prozessionen sieht man Menschen, die sich die Wangen mit Eisenstangen, Ketten und allerhand anderem Gerät durchbohren oder mit Glocken und Gewichten die direkt in die Haut „gepierct“ wurden behangen sind.

Auf festlich geschmückten Plätzen kann man anderen beim Laufen über glühende Kohlen oder dem Besteigen von Leitern deren Sprossen aus scharfen Schwertern und Messerklingen gebaut sind zusehen.

Doch das Vegetarian Festival ist mehr als nur ein „Showlaufen“. Die Tradition des Vegetarian Festivals – so erzählt m an – geht zurück auf die Zeit der Regentschaft des Königs Rama V. 1868-1910, zu dieser Zeit kamen viele Menschen aus China und Malaysia auf der Suche nach Arbeit in den Mienen und Kautschukplan tagen nach Phuket.

Das erste Vegetarian Festival wurde in Kathu District im Südwesten von Phuket von einer chinesischen Schauspiel – Truppe zelebriert um durch die Kraft und Gunst der Götter die seiner Zeit ausgebrochene Malaria – Epidemie zu besiegen.

Neun Tage und Nächte lang werden verschiedene spirituelle Rituale und Prozessionen gehalten. Vor diesen neun Tagen des „Vegetarian Festivals“, gibt es für einige Tage eine Fastenperiode um Körper und Seele zu reinigen. Das Tragen von weißer Kleidung während des Festivals symbolisiert die so „gereinigten“ Teilnehmer, für die während der Festivalzeit verschiedene Regeln gelten:

  • es dürfen keine Tiere getötet werden
  • kein Fleisch darf gegessen werden
  • das Tragen vom Leder ist nicht gestattet
  • Frieden! Es darf keinem Menschen körperliches oder mentales Leid angetan werden
  • Enthaltsamkeit während der ganzen 9 Tage
  • kein Alkohol und keine Betäubungsmittel
  • kein Streit und keine Lügen
  • Verbot Mahlzeiten mit Menschen einzunehmen, die sich nicht an diese Gebote halten
  • schwangere und Frauen in der Periode
  • dürfen nicht am Festival teilnehmen

Der Ablauf ist jeden Tag in etwa gleich – gegen 5 Uhr morgens werden die Trommeln geschlagen und die Glocken geläutet. Rauch vom brennenden Sandelholz liegt wie ein Schleier über den Plätzen und Straßen, es werden hunderte Kerzen an Statuen chinesischen Götter und Kaiser aufgestellt. Die Medien bereiten sich auf die Ankunft des Geistes vor, der in Ihre Körper fährt – dann verändern sich Ihre Gesichtsausdrücke, ihre Stimmen und Körperbewegungen – der Geist Ihrer Götter ist nun in Ihnen und Sie gehen zu ihren Helfern, die ihnen Nägeln, Eisenstangen, Messer, Rohre und viele andere Dinge durch die Wangen, Zunge und andere Körperstellen stechen. Durch die Kraft der Götter spüren Sie dabei keinerlei Schmerz und es fließt auch nicht viel Blut aus ihren Wunden.

Einige Medien werden mit einer Kette, einem Schlauch oder einer langen Stange, die durch die Wangen gestochen werden, miteinander verbunden und laufen gemeinsam als Eins mit der Prozession durch die Stadt zu einem der 5 Tempel der Insel Phuket. Andere Medien haben große Schreine und Bilder Ihrer Götter an Stangenaufbauten am Körper befestigt und tragen diese mit der Prozession durch die Straßen – die stützenden Stangen und haltenden Seile durch Haken an der Haut befestigt bohren sich dabei im m er weiter ins Fleisch.

Mit diesen schmerzhaften Ritualen und der anschließenden Tortur der Prozession zeigen die Medien die Energie und Kraft ihrer Götter die in Ihnen sind und stärken Ihren eigenen Glauben und reinigen sich vom Schlechten.

Neben der Prozession gehört das Laufen über heiße Kohle ebenfalls zum Ritus des Festivals. Der Kohleteppich ist einige Zentimeter hoch, die Flammen werden im m er wieder mit einem Blaseblag auf`s neue entfacht. Medien laufen über die glühenden Kohlen ohne sich zu verletzen oder steigen auf eine Leiter deren Sprossen aus messerscharfen Klingen besteht oben angekommen beten sie zu ihren Göttern.

Am neunten Tag verlässt der Geist nach der letzten Prozession die Körper der Medien und das Festival ist zu Ende.

Was bleibt sind die Narben und der beseelte, zufriedene Ausdruck in den Gesichtern der Teilnehmer, dankbar für neun Tage Frieden und Reinigung – gestärkt für den Alltag durch die Kraft Ihrer Götter.

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Einleitung

In unserer ersten Ausgabe 2004 (EXPAND #1) haben wir bereits über die Ursprünge und den Ablauf des Vegetarian Festivals auf der Insel Phuket in Thailand berichtet. Inzwischen hat das Thema ja auch seinen Weg in die Mainstream Presse gefunden und wird dort leider zu oft vom Boulevard aufgenommen und dient dort jedes Jahr nur dem Schock-Effekt für den die abenteuerlichsten Sachen präsentiert werden, die die Leute der Prozession sich dort durch de Backen piercen. Um einmal einen kleinen Blick „hinter die Kulissen“ zu werfen, haben wir Oli von Visavajara Nürnberg gewinnen können für uns hier einen Reisebericht zu schreiben:

Phuket Vegeterian Festival

Mitten drin statt nur dabei!

Fallen die Worte „Vegetarian Festival“ haben die meisten Leute hier zu lande Bilder von Menschen im Kopf, die sich mit allen möglichen Gegenständen die Wangen durchbohren und damit wie in Trance eine (für uns) bizarre Prozession laufen. Diese Bilder, die ich hier in meinem Reisebericht natürlich nicht vernachlässigt werde, verursachen oft neben Faszination auch Ekel und Sprachlosigkeit. Um dem zu begegnen werde ich versuchen in diesem Reisebericht mehr auf den ganzen Ablauf des Festivals und die Dinge drumherum einzugehen. Denn diese Bereiche gehören genauso zum Vegetarian Festival, wie die uns allen nun reichlich bekannten Bilder.

Das Stechen

Das Ritual des Stechens beginnt jeden morgen schon um 5 Uhr in dem Tempel, dessen Angehörige an diesem Tag die Prozession laufen. Das Durchstechen der Wange wird mit einem spitzen, schweren und ziemlich großen konischem Werkzeug aus Edelstahl vorgenommen, welches einem etwas überdimensioniertem Insertion Pin ähnelt. Das Werkzeug hat wirklich nichts mit einer Piercingnadel wie wir es kennen gemein und ist aus massivem Stahl, wiegt also ca. zwei bis drei Kilo und ist je nach Ausführung durchaus bis zu einen Durchmesser von bis zu 5cm oder gar mehr zu haben. Man konnte beobachten, dass das Durchstechen der Wangen mit dieser Stahlspitze einen enormen Kraftaufwand benötigt bis das Gewebe der Wange durchdrungen ist. Jeder, der schon mal einen Backenspieß gesetzt hat oder eine der auf Conventions so beliebten Fakir Shows gesehen hat, weiß welche Kraft man benötigt um diese meist nur 3 mm starken Spieße durch das Gewebe zu bekommen; hier in Phuket gibt man sich mit so Kleinkram allerdings in der Regel selten zufrieden und das zehnfache (30mm) darf es schon gerne einmal sein, wobei die Skala nach oben jedes Jahr aufs neue offen zu sein scheint.

Ist die Wange mit der Spitze erst einmal durchstochen, dehnt sich das Gewebe durch das Nachschieben des konischen Werkzeugs noch ein wenig und fängt dann an gleichmäßig nach oben und unten hin zu reißen. Natürlich ist beim Stechen die Stärke (Größe des Lochs) zu beachten, die benötigt wird um das gewünschte Objekt einsetzen zu können; dies erfolgt allerdings nur durch eine grobe Abschätzung oder besser Abgleich des Stechwerkzeugs mit dem später einzusetzendem Objekt. Manchmal kann es so passieren, dass die Öffnung etwas zu groß gerät und den Blick auf die obere und untere Zahnreihe frei gibt, was durchaus ein gewöhnungsbedürftiger Anblick ist. Es kommt aber auch vor, dass eine Öffnung zu klein ausfällt, was dann durch kurzes Nachstechen korrigiert wird, oder es wird einfach kurzerhand ein neuer Gegenstand mit passender Größe organisiert. In der anfallenden Wartezeit tun es dann auch zwei bis drei Finger durch die Wange um die Wunde „mal eben“ offen und entsprechend geweitet zu halten.

Bilder zum Artikel:

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Der Umgang und die Aufbereitung der Utensilien ist oft auch recht unbedarft, so werden diese zum Teil einfach mit Isolierband, Tesafilm oder ähnlichem umwickelt damit sie besser einführt werden können oder – falls nötig – um ein paar Millimeter an Durchmesser zu gewinnen.

Die Piercing-Tools, die zum Stechen benutzt werden, bringen die Medien – also diejenigen, die auserwählt sind sich stechen zu lassen und die Prozession zu laufen – selber mit. Alternativ kann derjenige, der für das Piercen zuständig ist ein solches Tool auch mehrfach verwenden, wobei diese dann nach jedem Gebrauch mit Watte und einer Desinfektionslösung, die an ein Listerine, Öl Gemisch erinnert, gesäubert werden.

Es gibt in jedem Tempel gleich mehrere Plätze an denen gepierct wird, die sehen danach dann entsprechend aus und sind mit Watte und Handschuhen übersät. Nicht immer aber in den meisten Fällen werden übrigens Handschuhe benutzt was aber nicht unbedingt bedeutet, dass diese nach jeden Medium gewechselt werden oder einem hygienischen Arbeitsgang gewährleisten sollen.

Es gab übrigens auch „Farangs“ (wie die Ausländer in Thailand bezeichnet werden) zu sehen, die gepierct haben, was vor einigen Jahren noch nicht gestattet war. Dieses wurde allerdings nicht von jedem Medium unbedingt positiv aufgenommen und manche weigerten sich von diesen gestochen zu werden. Die Presse und das Fernsehen aus dem Ausland wurden dagegen umso mehr von dieser Tatsache angezogen und mischte sich eher rüpelhaft in das Geschehen um ja die „beste Einstellungen“ und die „tollsten Bilder“ zu bekommen. Als westlicher Besucher wünscht man sich in einer solchen Situation schon etwas mehr Respekt und Achtsamkeit gegenüber den Medien und Ritualen – leider war das nicht die einzige Gelegenheit zu der die „westliche Sensationspresse“ unangenehm auffiel.

Die Prozession

Nach dem Stechen und Einsetzen der Gegenstände beginnt dann die eigentliche Prozession wobei sich die Längste über 12 Kilometer erstreckt. Man kann sich kaum vorstellen welche enormen Anstrengungen erforderlich sind um eine solch lange Strecke zu laufen. Gerade „Medien“ mit großen Gegenständen oder andere beladene Prozessions-Träger leisten da enormes.

So „brachial“ die Eingriffe des Einpiercens der Gegenstände auch sein mögen, die Wangen der „Medien“ bluten natürlich nicht die ganze Zeit – ganz im Gegenteil – man ist eigentlich fast ein wenig überrascht wie wenig Blut fließt. Was allerdings – bei genauer Überlegung – logisch ist, da das Gewebe durch das durchstechen, aufdehnen und einreissen schon erheblich traumatisiert wird. Eine leichte Schwellung ist direkt erkennbar und der Schock für den Körper und die damit verbundene Ausschüttung von Adrenalin lässt die Gefäße verengen und den Blutdruck steigen. Dazu kommt der Gerinnungsprozess, der einsetzt sobald Blut mit einer anderen Oberfläche in Berührung kommt und natürlich der Druck, der eingesetzten Gegenstände auf die Wunde. Wobei an der Stelle gesagt sein soll, dass manchmal auch wenig Blut schon dramatisch aussehen kann.

Auf der Strecke sah man dann vor fast jedem Geschäft einen kleinen Altar mit Gaben für die Medien aufgebaut um deren Segen zu erhalten und den gesamten Weg über wurde man von ohrenbetäubendem Lärm begleitet. Es krachte und knallte von langen Stangen an denen kiloweise Knallkörper befestigt waren und die über den Sänften der Götterstatuen gehalten wurden, um diese zu wecken. Die Sänften werden von Sänftenträgern über die gesamte Prozession getragen, was für diese bedeutet über die ganze Zeit hin einem permanent extremen Lärm ausgesetzt zu sein und auch mal bis zu Handflächen große Verbrennungen von herab fallenden Knallern davon zu tragen. Wenn ein Ahnungsloser unbedarft auf diese Szenerie träfe, könnte es den Anschein von Krieg haben.

Als Besucher sollte man auch tunlichst auf herum fliegendes Feuerwerk achten, da die bei Einschlag und Explosion in Gesichtsnähe ganz schön ziepen können und auch das Gehör Schaden nehmen könnte. Mein Fazit: Sänftenträger zu sein mag eine Ehre sein, aber es ist ein echter Knochenjob und die tapferen Jungs verdient in jedem Fall meine Hochachtung.

Das Drumherum

Auf der ganzen Welt gilt es inzwischen: „Keine Veranstaltung ohne Werbung“! (?) So macht auch die Werbung vor dem Vegetarian Festival keinen Halt; zwischen all den Helfern, Medien und getragenen Sänften tauchen immer wieder Plakatträger oder lustig verkleidete Leute auf, die ihre Werbebotschaft an den Mann, die Frau und das Kind bringen wollen.

Kinder sind übrigens auf dem gesamten Event in Scharen unterwegs und freuen sich über die Medien, die vorbei laufen und ihnen den Segen erteilen oder Obst und Süßigkeiten verteilen. Für die Kinder in Thailand ist die ganze Veranstaltung mit allen ihren uns bizarr anmutenden Bildern ganz normal und Teil der Kultur. Was Deutschland wahrscheinlich aus Jugendschutzgründen rechtlich nicht denkbar wäre, ist dort ein Fest für jedes Alter – ähnlich unserem Straßenkarneval! Ich habe dort auf jeden Fall nur lachende Kinder gesehen, die eine Menge Spaß hatten. Selbst das jüngste Medium, dass ich an einer Prozession teilnehmen sah, war zarte 13 Jahre alt und trug einem ca. 1cm dicken Backenspieß durch die Wangen.

Wundversorgung

Nach der Prozession geht es dann für die Medien zurück in den Tempel, in dem dann die getragenen Gegenstände entfernt werden. Was manchmal auch nur mit Hilfe von Werkzeugen wie Bolzenschneidern oder ähnlichem möglich ist, da ja bekanntlich nicht immer alles so leicht raus geht, wie rein ging. Auch hier sind im Verhältnis zu der Größe der Verletzungen die Blutungen eher sehr gering – Ausnahmen gibt es natürlich auch, wenn z.B. ein größeres Gefäß beim Piercen beschädigt wurde. Die Nachsorge war vom Standpunkt eines Piercers aus „ungewöhnlich“ aber es funktioniert wohl. Die Wunden wurden im Tempel mit Wasser abgespült und dann wurde erst einmal ein Stück „heiliges Papier“ darauf gedrückt um die Blutung zu stoppen und die Wunde zu bedecken. Die sich in der Hitze und stehenden Luft des Tempels entwickelnde Geruchsmischung von Blut, Knallkörpern, Schweiß und Raucherstäbchen war dann auch entsprechend gewöhnungsbedürftig.

Auch die weitere Wundversorgung war recht einfach, so konnte man frei dem Motto „wozu Nahtmaterial verwenden wenn es Pflaster gibt“ viele der Medien, die meist beim Piercen in einem anderen Tempel halfen, mit geschwollenen Wangen und ein bis zwei Pflasterstreifen über den Wunden sehen. Trotz dieser für uns unvorstellbaren Wundversorgung und Hygiene habe ich keine infizierten Wunden gesehen; auch Tage später sahen die Wundränder der Verletzung entsprechend gut und sauber aus. Man sollte also mit einem schnellen Urteil vorsichtig sein und nicht so einfach unser Vorgehen und unsere Gewohnheiten dort als Messlatte anlegen.

Das Rahmenprogramm

Begleitend zum mehrtägigen Vegetarian Festival gibt es natürlich auch eine Broschüre, in der man sämtliche Infos zum Ablauf und Zeiten der einzelnen Events findet – sehr hilfreich und eine gute Grundlage um sich zurecht zu finden! Besonders wichtig sind auch die Karten in denen die Lage der beteiligten Tempel und die einzelnen Prozessionsrouten eingezeichnet sind. Zu den aufgeführten Terminen zählen neben dem frühmorgentlichem Stechen in den Tempeln auch andere spektakuläre Bräuche, die man nicht verpassen sollte. Das sind zum Beispiel die barfüßigen Läufe über glühende Kohlen und das „Schwertleiterklettern“, bei dem ebenfalls ohne Schuhwerk auf Leitern aus Schwertklingen bis zu 20m in die Höhe gestiegen wird. Wirklich beeindruckend und mit jeder Sprosse, die ein wagemutiger hinauf steigt ist man dankbar festen Boden unter den Füßen zu haben.

In und um die Tempel herrscht den ganzen Tag ein reges Treiben aus Kindern die mit Knallkörpern spielen, Menschentrauben, die sich angeregt unterhalten und Gläubigen, die Opfergaben bringen und beten. Es ist ein idealer Ort um neue interessante Bekanntschaften zu machen. Die Einheimischen sind sehr offen und freundlich wenn sie sehen, dass man sich für die Bräuche interessiert und darauf einlässt, wozu eben auch das Tragen von weißer Kleidung gehört. Dies symbolisiert die Reinheit, die der Körper während der Zeit des Festivals erfahren soll (kein Alkohol, kein Sex, kein Fleisch usw.). So kam es öfter vor, dass man an der Hand genommen wurde und alles erklärt bekam wofür sich manch einer auch gerne einmal eine ganze Stunde Zeit nahm und wirklich alles ausgiebig erläuterte. Da nicht jeder fließend Englisch spricht, geschah dies oft in der Landessprache, aber nach einer Weile versteht man auch Thai und wenn nichts hilft werden Händen und Füßen zum wilden gestikulieren zur Hilfe genommen.

Der Spirit

Das ganze Geschehen ist schon recht faszinierend, ob man nun an die Geister und Götter glaubt oder nicht. Einem Skeptiker würden beim kritischen Zusehen bestimmt so manche Zweifel kommen was nun Show ist und was nicht. Besonders das Ein- und Ausfahren der Geister in die Medien ist mitunter sehr spektakulär und mag inszeniert wirken. Mir ist aber manchmal ein richtiger Schauer über den Rücken gelaufen wenn die Medien im Tempel ihre Geister empfangen haben und oft noch mehr wenn diese nach der Prozession wieder im Tempel abgegeben wurden. Einige der Medien machten dabei einen zwei Meter Satz nach hinten wo sie dann wie besinnungslos in den Armen ihre Begleiter landeten. Da muss der Glaube und das Vertrauen schon tief sitzen um sich derart tief fallen und gehen zu lassen. Auf der anderen Seite hatte man bei anderen denken können in sie wäre ein „Promotiongeist“ gefahren, derart anziehend wirkten sie auf Fotos und Filmkameras durch ihr wildes posierten.

Glaube, Religion und Ritus sind aber meiner Meinung nach persönliche Werte und Erfahrungen, wer da also was sieht oder sehen möchte bleibt jedem selbst überlassen. Authentisch war auf jeden Fall die Freundlichkeit der Leute und der Stolz der Beteiligten auf das geleistete.

Authentizität ist dann auch ein gutes Stichwort für den auf einem „vegetarischem Festival“ nicht unwichtigen Punkt – dem ESSEN! So ist es angenehm, dass die ganze Sache der vegetarischen Ernährung nicht mit der leider zu oft anzutreffenden Verbissenheit in Glaubens- und noch viel mehr in Religionsfragen zum Zwang wird. Hier zeigt sich die Offenheit der Gesellschaft, obwohl es schon ein wenig witzig ist, dass es ein riesiges Spektakel und Fest gibt um eine Sache, die wenige Straßen weiter schon ihren roten Faden verliert. So gibt es während des Festivals eine ganze Straße, die gefüllt ist mit Essens-Ständen, die ausschließlich vegetarische Küche anbieten. Zudem findet man um die Tempel herum jede Menge Suppenküchen, die alle mit gelben Fahnen gekennzeichnet sind, die für das Festival stehen; doch geht man eine Straße weiter und möchte an den „normalen“ Verkaufsständen etwas vegetarisches zu essen haben, versteht keiner so recht was man meint und man kommt sich mit dem Wunsch schon fast als Exot vor, obwohl ganz Phuket Town in einem gelben Fahnenmeer versinkt. Irgendwie skurril, aber eben auch angenehm, dass es keinen Zwang oder religiöse Doktrin gibt.

So, das war mein kleiner Reisebericht und zu Abschluss bleibt mir zu sagen, dass dieses Festival auf jeden Fall eine Reise wert ist – wer also von der Vielzahl meiner hier wiedergegebenen Eindrücke motiviert ist, sollte sich unbedingt auf die Socken machen. Wichtig wäre es mir noch einmal deutlich darauf hinzuweisen, dass man gerade als Gast in einem fremden Land und Kultur unbedingt mit Respekt und Achtung in und an die Sache heran geht. Auch wenn Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region ist, sollte das Vegetarian Festival kein asiatisches Disney World werden, sondern immer eine ganz besondere Reise auf der man sich sicher faszinieren, begeistern und auch unterhalten lassen sollte. Man darf aber bei all dem Spektakel nicht vergessen, dass dieses Festival für die Menschen dort ein religiöses Ritual ist an dem man lediglich teilhaben darf. Wenn man dies beachtet, hat man garantiert eine tolle Zeit mit vielen Gesprächen, netten Bekanntschaften und einer Erfahrung, die ich auf gar keinen Fall missen wollte.